Assisi
heute



Assisi - Eine Stadt, in der man wunderbar Urlaub machen kann, Kunst findet und Geschichte spürt.
Assisi: San Rufino Aber sie verbirgt mehr als "nur" Urlaub, Kunst oder Geschichte. Sie steht als Anfang für eine noch heute gültige bis in fernste Länder wirkende "Revolution", die einst von einem anfänglich verschmähten Franziskus und seinen Mitbrüdern ins Leben gerufen und über Jahre hinweg bis heute von seinen Nachfahren mehr oder weniger gepflegt und/oder modifiziert wurde.

Egal, wie verschieden heute die franziskanische Spiritualität gesehen und gelebt wird, oder wie weit sich diverse Richtungen, die alle aus dem einen franziskanischen Geist entsprangen, wie weit sich diese voneinander entfernt haben. - In Assisi liegt der Ursprung dieser Bewegung, hier wurde etwas ins Lebens gerufen, wonach sich sehr viele Menschen sehnen, egal welchen Alters, welcher Herkunft, egal wo sie leben und vor allem auch unabhängig von ihrem Glauben. - Franziskus faszinierte und fasziniert auf einfachste Weise, weil er selbst sehr leicht zu verstehen und einfach war. 
Diese Stadt muss man erlebt haben, so wie sie ist und so wie sie wahrscheinlich einmal war, aber immer mit einem spürbaren Geist, der über Assisi liegt, eine Vision, die nach Frieden und Gemeinschaft ruft und die jeden berührt...!

Assisi Verwinkelte Gassen in Assisi besitzt alte, sehr kleine und verwinkelte Straßen, Gassen und Häuser. Die historischen Gebäude mit ihren kunstvoll ausgeschmückten Hinterhöfen erzählen allzu oft über Franziskus. So ist die ganze Stadt und ihre Umgebung von "ihm selbst" spürbar geprägt.

Assisi ist aber auch eine Stadt, die heute vom Tourismus lebt und dementsprechend den Wünschen dieser entgegenkommt. Das spirituell spürbare Assisi ist in der Altstadt nur zu finden, wenn der Besucher mit dem Wunsch hierher kommt, die franziskanische Idee auch finden und spüren zu wollen. 


Diese franziskanische Spiritualität lässt sich besonders an den Orten, unweit von Assisi wieder finden, an denen Franziskus selbst tätig war und gelebt hatte. Ca. 4 km außerhalb von Assisi, an den Hängen des Monte Subasio, finden wir die Einsiedelei "Eremo delle Carceri". Nachdem der Orden von den bekannten Konflikten betroffen wurde und Franziskus sich zurückzog, lebte er hier einige Zeit lang mit seinen Brüdern Leo, Rufino, Angelo und Masseo in kleinen Felsspalten.

 


San Damiano - Assisi Auch  in der ursprünglich kleinen Kirche San Damiano mit ihrem jetzigen Klosteranbau ist der franziskanische Geist zu finden. Der Ort wurde zwar mit den Jahren immer weiter ausgebaut, zu Beginn stand eben nur diese winzige Kirche, aber das Innere, das alte Kloster der "Armen Schwestern von San Damiano" mit deren Refektorium laden uns ein, für eine Weile diese franziskanische Haltung zu spüren. 


Das Kirchlein Portiunkula ist auch heute noch vorhanden, ebenso die alte Hütte (Cappella del Transito), die direkt hinter dieser Kirche stand und in der Franziskus gestorben ist. Bei der Portiunkula entstanden noch zu Lebzeiten von Franziskus einige spärliche Hütten aus Lehm, in denen die wachsende Brudergemeinschaft wohnte. Nach seinem Tod wurde dieser Ort immer weiter ausgebaut. Höhepunkt war die Entstehung einer weiteren gigantischen Basilika, die nun das alte Kirchlein in ihrem Inneren beherbergt.

 


Basilica San Francesco
Franziskus' letzte Ruhestätte

Franziskus wurde vier Jahre nach seinem Tod in seiner Basilika im Sonnenuntergang endgültigen Ruhestätte, in der Basilica San Francesco beigesetzt. Die Gruft wurde während der Errichtung der Unterkirche am Hauptaltar in einen Fels geschlagen. Dieser Ort war mehr als 2 Jahrhunderte lang durch einen geheimen Gang zu erreichen und wurde im 15. Jahrhundert für mehr als drei Jahrhunderte fest verschlossen und blieb während dieser Zeit unentdeckt. Im Jahre 1442 versuchten die Bürger von Perugia, den Leichnam zu entführen. Durch Gewalt konnten sie dieses Vorhaben nicht realisieren, aber sie versuchten anschließend auf diplomatischen Wegen, Franziskus durch die Fürsprache des Papstes Eugen IV. zu erhalten und versicherten diesem, dass der Heilige in Perugia schließlich sicherer aufbewahrt werden könne. Der Papst willigte nicht ein, aber die Angst blieb.
Die Grabesstätte wurde zuletzt im 15. Jahrhundert durch Papst Sixtus IV. besucht. Hiernach wurde es, durch die begründete Angst, es könnte doch eines Tages ausgeraubt werden, endgültig verschlossen. Es wurde derart gut verschlossen, dass es lange Zeit in Vergessenheit geriet und nach mehreren vergeblichen Versuchen erst im Jahre 1818 wieder entdeckt werden konnte. Das Grab wurde direkt unter dem Hauptaltar der Unterkirche vermutet. Nach 52 Nächten gelang es Arbeitern, die verlorene Stätte wiederzufinden. Wegen der vielen Pilger war man gezwungen, die Sucharbeiten nur nachts durchzuführen.
Eine Travertinplatte zeigte sich beim senkrechten Hinabtreiben des Stollens unter den Arbeitern. Diese wurde durchmeißelt. 
Basilica San Francesco Dabei stieß man auf eine Füllschicht von Zement. Dann eine weitere Travertinplatte. Durch sie schlugen die Arbeiter ein Loch und fanden einen Steinsarg. Nach einem Hohlraum kam eine dritte Platte zum Vorschein. Eine an einem Stab hinabgelassene Kerze zeigte den Nachforschenden ein Skelett. Am 02. Dezember 1818 wurden die sterblichen Reste von Franziskus gefunden; diese wurden ab dem 12. Dezember des gleichen Jahres von einer Kommission im Auftrage des Papstes Pius VII. auf ihre Echtheit überprüft und bestätigt. Mit einer Schrift vom 5. September 1820 erklärte dieser, dass es keinen Zweifel über die Identität des Heiligen, den man dort gefunden hatte, gab. Aus Ehrfurcht und Frömmigkeit beschloss er dann, die Gebeine weiterhin an diesem Ort zu belassen, wo sie sich schließlich schon seit Jahrhunderten befanden.

Um den Wünschen heranreisender Pilger gerecht zu werden, entschied man, um den Sarg bzw. den Felsen herum eine Grabeskirche (Krypta) zu erbauen. Diese ganz in Marmor gehaltene Stätte, die nun die dritte Kirche unter den beiden schon vorhandenen darstellt, wurde 1824 eingeweiht und der Öffentlichkeit übergeben. Sie wurde kaum mehr als 100 Jahre alt, als man befand, dass diese dem armen Franziskus in keinster Weise gerecht werden konnte. In den Jahren 1928 - 1932 wurde der Umbau und die Erweiterung der Krypta vorgenommen. Sie ist mit Hausteinen des Monte Subasio ausgeführt und besitzt einen katakombenartigen Charakter.

So zeigt sich uns die letzte Ruhestätte des Pavarello auch heute noch: der Grabfelsen ist umgeben von einem schützenden Gitter, um diesem Fels herum wurden die Gebeine einige seiner liebsten Gefährten beigesetzt: es handelt sich hierbei um die Brüder Leo, Angelo, Rufino und Masseo.  Tomba di San Francesco - Grabeskirche Auf der gegenüberliegenden Seite der Krypta, direkt zwischen dem Treppenaufgang und Treppenabstieg befindet sich das Grab der "edlen Herrin Jacoba Settesoli" aus Rom, die mit Franziskus ein besonders freundschaftliches Verhältnis pflegte.

Die Basilika zeigt architektonische Meisterleistungen und beherbergt Fresken von bekannten Künstlern, wie Giotto und seine Schule. Zum einen wird mit diesen Fresken das Leben und Sterben Jesus Christus gezeigt, zum anderen werden Lebenssituationen des Heiligen aufgeführt und dem Leben Christi gegenübergestellt. Ein Vergleich, der uns das bewußte Nachfolgen des Franziskus auf den Spuren Christi, das vollendete Christ-Sein dieses Heiligen in Bildern vor Augen hält.
 
 

Die meisten der in Assisi und Umgebung vorhandenen alten Gebäude, die unmittelbar oder auch nur indirekt auf Franziskus hinweisen, ein Stück Franziskus wiedergeben wollen, teilen sich die beiden Ordensrichtungen "Orden der Minderen Brüder" (ofm) und der franziskanische Konvent (conventuale). - Assisi und der Monte Subasio Es ist wohl ein handfester Streit beider Richtungen, der sich seit Jahrhunderten fortsetzt und unüberwindbar zu sein scheint. Jedes dieser Gebäude bzw. jede dieser Gedenkstätten bildet für sich aber auch eine Touristenattraktion, von denen profitiert werden kann. Und gerade dieses Profitdenken beherrscht Assisi und sein Umland. Und dieses betrifft insbesondere die franziskanischen Orden, weil sie allein ein Monopol auf sämtliche Besucherstätte besitzen. Die Bewohner Assisis versuchen natürlich auch, ihren Profit aus der Vermarktung des Heiligen Franziskus zu ziehen. Wer kann ihnen das übel nehmen? -
Ohne Franziskus wäre Assisi wahrscheinlich genauso unbekannt und arm wie viel andere Orte in Umbrien, denn im Gegensatz zu Perugia hat es keine besondere Infrastruktur, keine eigene Universität. Wahrscheinlich würden Assisis Haupteinnahmequellen der Weinanbau und die vielen Olivenplantagen darstellen. Aber mit einem Warenzeichen, das mit dem Namen Franziskus verbunden ist, läßt es sich heute einfach besser leben.

Was also ist Assisi heute? - Wo also lässt sich der franziskanische Geist im besonderen Maße wiederfinden? - Sicherlich ließe sich eine Skala anfertigen, über alle franziskanische Ordensrichtungen, inwieweit sie überhaupt dem franziskanischen Geist selbst folgen. Mehr oder weniger steckt in jeder dieser Richtungen etwas franziskanisches und sei es auch nur der Name. Es mag aber sicherlich ein Merkmal sein, inwieweit diese Richtungen Eigentum oder sogar Reichtum besitzen und, vor allem, was sie hieraus machen. Insofern haben sich auch die beiden großen Richtungen, Orden der Minderen Brüder und der Konvent, sehr weit von Franziskus entfernt.

Piazza del Comune Vergessen  dürfen wir nicht, dass mit der gesamten franziskanischen Infrastruktur Assisi Jahr für Jahr riesige Umsätze gemacht werden. Dieses betrifft insbesondere den Tourismus in Assisi. Das größte Hotel in Assisi liegt direkt an der Basilika "Santa Maria degli Angeli" und wird von dem Orden der Minderen Brüder betrieben. Eines der besten Krankenhäuser Umbriens liegt ebenfalls in Assisi und gehört ebenfalls den Franziskanern.
Es stellt sich nicht die Frage, inwieweit der Besucher hiervon profitiert oder nicht, vielmehr tut sich die Frage nach eigenem Sicherheitsdenken und eigener "Profitsucht" auf.
Und weiterhin interessant ist die Tatsache, dass sich die franziskanische Gemeinschaft mit diesem Verhalten in den Augen der Einheimischen unglaubwürdig macht, dort nämlich sind die Franziskaner die größten Arbeitgeber und gehören insofern sicherlich nicht zu denjenigen, die sich arm nennen dürfen.




 

Franziskus,
"francesco pavarello",
frate minore...! -
Der ganz kleine,
"Euer Untergebener",...! -

Das wollte Franziskus ein Leben lang sein. Diese Untergebenheit wollte er uns verdeutlichen und hat sie bis zu seinem letzten Atemzug vorgelebt. Dem anderen ergeben sein, jedermann dienen, alles lieben und in der Nachfolge Jesus Christus leben.

Das war sein Anliegen und das der Anfang...!

 

 

Im Namen des Gehorsams befehle ich mit Nachdruck
meinen Brüdern, sowohl Priestern wie Laien,
dass sie weder der Regel noch diesen Worten
eine Auslegung beifügen, etwa indem sie sagen:
"Das ist so und so zu verstehen", sondern wie der Herr
mir verliehen hat, die Regel und diese Worte einfach
und lauteren Herzens zu diktieren und zu schreiben,
so sollt ihr sie auch einfach und lauter ohne Glosse
verstehen und in heiligem Tun bis ans Ende befolgen.
Jeder, der dies befolgt, möge im Himmel
mit dem Segen des höchsten Vaters
und auf Erden mit dem Segen seines geliebten Sohnes
erfüllt werden, zugleich mit dem heiligsten
Tröstergeist und allen Kräften des Himmels
und mit allen Heiligen.
Ich, euer kleiner Bruder Franz, euer Knecht,
bestätige euch innerlich und äußerlich, soviel ich kann,
diesen allerheiligsten Segen. Amen.
(Testament)